Räumungsklage gegen Hamburg-WG

Na super! Wir haben es schon immer gewußt: Hamburg ist die Hochburg der Marketingfachleute.

Auch in der Hamburger Politik sind jetzt echte „Marketing-Experts“ aufgetaucht, die die stadteigenen Marketingorganisationen tatkräftig mit Rat und Tat unterstützen. So auch bei dem Projekt „Hamburg-WG“.

Was war passiert?

Die Hamburg Marketing initiiert das Projekt Hamburg-WG, in dessen Rahmen sich vier junge Menschen bewerben können und dafür ein Jahr in Hamburg mietfrei eine Wohnung beziehen, über Sponsoren einen Arbeitsplatz bekommen (bis auf einen Müßiggänger, der in diesem Jahr nicht arbeiten soll) und als Gegenleistung dafür, ihre Eindrücke über die bekannten social media Plattformen verbreiten sollen. Wozu das Ganze? Na klar – Hamburg lebt nach dem Diktat von John Florida und stellt sich als Stadt der „creative class“ auf – jung, hipp und trendig. Man hat erkannt, dass diese (wachsende) Stadt neue, gebildete, unternehmenslustige, kreative Menschen braucht, will man sich im internationalen Wettbewerb mittelfristig mit Metropolen wie Berlin, Barcelona, Rom oder sogar London messen. Und da funktioniert doch bestimmt das Prinzip „durch Zeugen überzeugen“ ganz gut.

 Räumungsklage gegen Hamburg-WG   

Clever, wie wir finden (liebe Hamburg Marketing – schaut mal in unseren Konzeptvorschlag für den Tag der deutschen Einheit 2009 in Bremen – da steht die Idee schon drin). Zielgruppenaffin ist das allemal, denn über welche Kanäle erreicht man die young urban people denn zur Zeit besser, als über facebook, twitter, google+ und andere Netzwerke?

Aaaaber … da Politiker gefühlt die besseren Marketingfachleute sind, wurde per Senatsbeschluss die Hamburg WG abgeblasen . "Wir müssen sparen und jeden Tag gucken, was wir nicht mehr machen", sagte SPD-Haushaltsexperte Jan Quast. Und sein SPD-Kollege Andy Grote betonte, dass es in Ordnung sei, wenn private Firmen so ein Projekt starten. "Doch öffentliches Geld darf in derartige Aktionen nicht fließen."

Auch wenn die WG-Zeiten dieser Herrschaften wahrscheinlich schon einige Jahre vorbei sind, gilt doch immer noch der Leitspruch „der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“.  

Warum also nicht einmal außergewöhnlich auftreten? Wir wollen doch immer eine moderne, weltoffene Metropole sein!  Die Hamburg Marketing erhält einen Etat dafür, die Stadt bei den Zielgruppen attraktiv zu verkaufen, die Meinungsmacher sind, die der Stadt Expertise bescheren, oder ihr Steuereinnahmen verschaffen.

Die Hamburg Marketing hat Mitarbeiter, die aufgrund ihrer fachlichen Qualifikation in dieser Organisation arbeiten und für die Aufteilung des Marketing-Etats Rechenschaft ablegen müssen. Wenn die Umsetzungsentscheidungen nun aber von Politikern getroffen werden, braucht´s diese Organisation ja dann auch nicht mehr.  Na dann!  Wir bleiben dran ...

 

Teile diesen Artikel

Kommentare  

 
0 #1 Entwickler 2011-09-22 22:38
Toller Beitrag.
Ich habe auch Einen. Du musst ihn nur verstehen.Ich habe etwas Einmaliges entwickelt und hoffe, das der Markt es nicht ablehnt. Mein Name ist Programm.
Danke
Zitieren
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Sie können einen Trackback für diesen Artikel hinterlassen, indem Sie diesen Trackback Link verwenden
Keine Trackbacks